Kunststoff Lexikon

Polyamid 6 (PA 6)

Polyamid 6 ist neben Polyamid 66 das am häufigsten verwendete Polyamid. Die Ausgangsmaterialien haben Erdöl als Ursprung. Das Caprolactam als vorletzte Stufe ist ein 7-gliedriger Ring mit Amidgruppe ( -CO-NH- ) und –CH2- Ringgliedern. Das PA6-Polymer wird in mehreren Viskositätsstufen in Gegenwart von Wasser, bei hohen Temperaturen und meist unter einer anfänglichen Druckphase durch Ringöffnung des Caprolactams hergestellt. Die Anzahl der C-Atome zwischen den N-( Stickstoff )- Atomen in der Polymerkette beträgt 6 Glieder. Aber auch eine wasserfreie, alkalisch initierte Polymerisation führt direkt zu dickwandigen und grossvolumigen PA6-Formteilen und-Halbzeug ( Monomerguss ).


Eigenschaften
PA 6 ist ein teikristallines, opakes Polymer, das durch Einarbeitung von Hilfsmitteln und anderen zu den technischen PA-Kunststofftypen compoundiert wird. Die hohe Zähigkeit des PA 6 entsteht durch die Feuchtigsaufnahme aus der Anwendungsumgebung. In Wasser gelagert kann eine Feuchtigkeitsaufnahme bis 10 Gew% resultieren, sodass auch eine Abhänigkeit mechanischer Eigenschaften von der Umgebungsfeuchtigkeit besteht.
Als Synthesefaser Perlon kamen 1937 gestreckte PA 6-Fäden zur grosstechnischen Anwendung in Europa. In den 50er Jahren folgten höhermolekulare PA6-Typen für Kunststoffanwendungen. PA6 wird in den angelsächsischen Ländern heute auch noch als Nylon 6 bezeichnet und hat weltweit einen Verbrauch von etwa 3 Millionen Tonnen pro Jahr. In Europa kommen 0,3 Millionen Tonnen PA 6 Kunststoffe pro Jahr zur Anwendung, etwa gleichviel wie für PA66-Kunststoffe.

Die Basistypen werden für die technischen Anwendungen zur Erzielung eines bestimmten Eigenschaftsprofils durch Zusätze modifiziert. Nach der Norm ISO 1874/1 werden die Polyamide international einheitlich gekennzeichnet, indem Weichmacher und Schlagmodifikatoren angegeben werden. Weiterhin finden sich Hinweise auf die Verarbeitung und auf Zusätze, die gezielt bestimmte Eigenschaften verbessern,auf Angaben über die Viskosität und die Steifigkeit, ebenso über eine Anwesenheit von Füll- und Verstärkungsstoffen in dieser Kennzeichnung.. Die Wahl eines PA 6-Kunststoffes zur Verwendung für technische Teile ist durch die Kombination folgender Eigenschaften bestimmt: Verarbeitbarkeit, Zähigkeit, Schlagfestigkeit, Ermüdungsbeständigkeit, Druckfestigkeit, Chemikalienbeständigkeit, Wärmeformbeständigkeit und Abrieb- sowie Gleitverhalten.


Verwendungszwecke
Die breiteste Anwendung erfolgt im Automobilbau, in der Elektrotechnik, im Maschinen- und Gerätebau und im geringeren Umfang auch im Verpackungssektor sowie auf dem Sport- und Freizeitgebiet.

Quelle: EMS-CHEMIE AG

 



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